Glücklich in Hessen: Philippinische Pflegekräfte gut in Deutschland eingelebt

Immer mehr Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen begegnen der Herausforderung Fachkräftemangel mit der Rekrutierung ausländischen Pflegepersonals. Doch nicht alle Pflegerinnen und Pfleger fühlen sich wohl in Deutschland. Ob sie dauerhaft bei uns bleiben, hängt sehr stark davon ab, inwiefern es gelingt, sie zu integrieren. Eine gute Vorbereitung der Pflegekräfte auf den Auslandseinsatz sowie eine bestmögliche Eingewöhnung in die neue Umgebung sind unabdingbar, wenn es um deren Integration geht. Das Programm Care With Care verfolgt genau diesen Ansatz und vermittelt erfolgreich hochqualifiziertes Pflegepersonal aus dem Ausland, vorrangig aus den Philippinen, China und Südosteuropa. Care With Care unternimmt dabei große Anstrengungen, um die Fachkräfte sorgfältig in ihr neues Arbeits- und Lebensumfeld einzugewöhnen und so langfristig an die ausgewählte Institution zu binden. Das folgende Interview zeigt, wie sich der „Pionier“ des Care With Care-Programms, der philippinische Pfleger Wilvin S., bei seinem Umzug nach Deutschland fühlte und wie er sich bei seinem Arbeitgeber und in Hessen an sich eingelebt hat. Seine Erlebnisse geben auch Arbeitgebern wichtige Hinweise für die Rekrutierung von Personal aus dem Ausland.

Wilvin, weshalb haben Sie sich für eine Arbeitsstelle in Deutschland entschieden?

Am Anfang hatte ich nicht speziell Deutschland im Visier, ich wollte nur im Ausland arbeiten. Es gibt ja in Europa mehrere Länder mit guten Jobmöglichkeiten. Da ich hier aber familiären Rückhalt habe, war es für mich besser, mich erst einmal in Deutschland umzuschauen. Ich hoffte stark auf eine bessere Zukunft, höhere Jobchancen und andere Entwicklungsmöglichkeiten, was die Karriere betrifft. Und da bin ich in Deutschland gut aufgehoben, denn man bekommt hier viel Unterstützung, sich ein neues Leben aufzubauen.

Wie kamen Sie zum Rekrutierungsprogramm Care With Care?

Ich hatte 2014 während meiner Ausbildung davon gehört und dass zeitnah ein Pilotprojekt gestartet werden sollte. Das passte genau zu meinen Europaplänen und ich habe mich einfach bei Care With Care für eine Arbeitsstelle als Pfleger in Deutschland beworben. Das ganze Prozedere bei Care With Care war äußerst professionell. Wir bekamen zum Beispiel sehr viel Hilfe bei der Beschaffung der nötigen Unterlagen.

Welche Ängste hatten Sie am Anfang? Welchen Herausforderungen standen Sie gegenüber?

Die größte Herausforderung für mich war es, einen passenden Job zu finden, und der lange Behördenweg natürlich. Das Abkommen zwischen unseren beiden Staaten war noch frisch und viele Prozesse unerprobt. Aber mithilfe der Care With Care-Mitarbeiter konnten wir gemeinsam alles lösen und hatten schnell Erfolg bei der Jobsuche. Und dann war da ja auch noch die Sprachhürde: Ich hatte am Anfang großen Respekt vor der deutschen Sprache, denn sie ist wirklich schwierig für viele Ausländer. Wenn ich heute zurückblicke, hätte ich nie gedacht, dass ich in so kurzer Zeit so gut Deutsch lernen würde!

Wie war Ihre Ankunft in Deutschland? Wie wurden Sie hier empfangen?

Ich kam im Januar nach Deutschland. Es war kalt und es lag Schnee. Umso wärmer und herzlicher war das Willkommen meines Arbeitgebers. Dieser hat mich allen Mitarbeitern im Haus persönlich vorgestellt. Ich erhielt einen guten Einblick in die Prozesse unserer Pflegeeinrichtung, auch die Einarbeitung war bestens. Ich denke, die erste Orientierung und das Gefühl, willkommen zu sein, hängen stark vom Engagement des Arbeitgebers ab.

Was genau gefällt Ihnen an Ihrer Arbeitsstelle in Deutschland?

Vieles ist hier ganz anders als in den Philippinen. Die Arbeitswelt ist in Deutschland völlig anders organisiert. Man trägt eine große Verantwortung für seinen Bereich und ich übernehme hier viele Aufgaben, die vorher nicht zu meinem Dienstspektrum gehörten, zum Beispiel Stationspflegeraufgaben, wie Wundversorgung und Pflegedokumentation. Dies zeigt mir, dass die Vorgesetzten ein sehr großes Vertrauen in die Pfleger haben, was ich sehr schätze. Die Arbeit an sich ist sehr erfüllend. Das Verhältnis zwischen mir und meinem Arbeitgeber ist gut und es macht Spaß, all diese Aufgaben zu erledigen. Auch bin ich hier arbeitsrechtlich sehr gut abgesichert. Ich verdiene mehr als in meiner Heimat und das Gehalt wird zuverlässig überwiesen. Auch die Karrierechancen sind sehr viel besser als zuhause.

Und wie finden Sie Deutschland an sich?

Was Deutschland betrifft, war sehr viel Anpassung nötig. Hier ist vieles so anders: das Essen, das Wetter, die Kultur. Was ich an Deutschland bewundere, ist, dass alles sehr systematisch und gut organisiert ist. Es gibt Regeln und Gesetze, die auch befolgt werden. Es ist diese Diszipliniertheit der Deutschen, die eine hohe Effizienz im Gesundheitswesen und anderen Bereich mit sich bringt. Das finde ich gut. Die Leute sind anfangs zwar eher distanziert, aber bei Freundschaften ist der Umgang miteinander intensiv und Freunde sind verlässlich.

Wie ist der Umgang mit den Heimbewohnern? Kommt man schnell mit allen klar?

Das Verhältnis zu den Bewohnern unserer Einrichtung ist sehr gut. Wir kommen oft ins Gespräch und sie fragen immer wieder, ob ich Thai oder Japaner bin. Alle waren von Anfang an überrascht, wie gut mein Deutsch ist. Sie wundern sich, weshalb ich so viel spreche. Darauf bin ich sehr stolz und Care With Care für die gute Vorausbildung dankbar.

Also war die Entscheidung für Deutschland die richtige?

Ja, sie war 100-prozentig richtig! Ich bin sehr zufrieden mit meiner Arbeit und schätze mich glücklich. Ich kann meine Familie finanziell unterstützen und mir trotzdem persönlich mehr leisten als zuvor. So bin ich zum Beispiel nach Rom gereist, was sehr spannend war. Ich habe viele neue Erfahrungen gemacht, habe mich stark weiterentwickelt – persönlich und beruflich. Ich bin heute selbständiger, unabhängig und kann mehr eigene Entscheidungen treffen. Was den Beruf betrifft, herrscht hier keine Ja-Sager-Mentalität. Ich habe gelernt, eigene Vorschläge einzubringen, zu diskutieren und für meine Entscheidungen einzustehen. Ich bin insgesamt sehr viel selbstbewusster geworden.

Was raten Sie anderen Pflegekräften, die nach Deutschland kommen möchten?

Erst einmal sollten sie die deutsche Sprache ernsthaft erlernen. Sie ist der Schlüssel für ein gutes Zurechtkommen und Einleben, vor allem auch, wenn man Hilfe braucht. Kannst du Menschen auf Deutsch um etwas bitten, helfen sie dir gern. Auch sollte man sich mit den gesetzlichen Unterschieden und den Aufgaben im Job beschäftigen, bevor man sich für ein Land entscheidet. Ich habe zum Beispiel vorher in der Notaufnahme eines Krankenhauses gearbeitet und musste Wiederbelebungen durchführen. Hier darf ich das gar nicht. Zudem gibt es in Deutschland tolle Karrierewege. Es werden viele Möglichkeiten vom Arbeitgeber angeboten. Alle wollen, dass man sich weiterentwickelt und zum Beispiel eine Zusatzausbildung zum Wundmanager oder Schmerzschwester absolviert. Das sollten Bewerber unbedingt als ein großes Plus ansehen.

Würden Sie Care With Care weiterempfehlen?

Unbedingt. Ich habe nur positive Erfahrungen mit Care With Care gemacht und sehr viel Unterstützung bekommen. Dies begann schon in der Schule auf den Philippinen: die gute Sprachausbildung und die inspirierenden Lehrer, die einen ermutigt haben und neugierig auf die Welt da draußen machten. Noch heute begleiten mich die Mitarbeiter von Care With Care bei Fragen und Problemen, ich kann mich jederzeit an sie wenden.

 

Laura Esnaola begleitete Care With Care von der Geburtsstunde an: Das internationale Programm zur Rekrutierung ausländischer Pflegefachkräfte bietet Arbeitgebern im Gesundheitssektor globale Personallösungen und adressiert andererseits medizinisch-pflegerische Fachkräfte aus dem Ausland, die z.B. einen Job in Deutschland suchen. Mit Care With Care vermittelt Laura Esnaola vorrangig Pflegekräfte aus den Philippinen und China. Dabei berät sie Personalentscheider aus Kliniken, Senioren- und Reha-Einrichtungen insbesondere zur erfolgreichen Integration der Arbeitnehmer, damit diese den Unternehmen langfristig erhalten bleiben. Neben ihren Tätigkeiten als Geschäftsführerin der Care.com Europe GmbH und Leiterin von Care With Care engagiert sich Laura Esnaola weltweit in gemeinnützigen Projekten und tritt als Violinistin auf.      
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