Gute Erfahrungen mit philippinischen Pflegern

Für eine umgehende Lösung des immer stärker werdenden Fachkräftemangels sind deutsche Gesundheitseinrichtungen auf ausländisches Pflegepersonal angewiesen. Doch leider gestaltet sich die Rekrutierung der Pflegekräfte nicht immer einfach. Zu groß sind die Unterschiede in der Ausbildung sowie bei den Ansprüchen und Erwartungen der Pfleger und Pflegerinnen aus den verschiedenen Nationen. Aber auch die Rekrutierungsagenturen zeigen große Qualitätsunterschiede auf. Zudem ist ein Großteil der nach Deutschland kommenden Arbeitsmigranten schlecht auf das Berufsleben und die kulturellen Differenzen in Deutschland vorbereitet. Folglich kehren immer mehr Pflegekräfte bereits wenige Monate nach Arbeitsbeginn wieder in ihre Heimat zurück. Das Dr. Drexler Seniorenstift in Wiesbaden hat gute Erfahrungen mit philippinischen Pflegefachkräften gemacht, die im Rahmen des Programms Care With Care nach Deutschland kamen. Im folgenden Interview fasst Marc Thamm, Geschäftsführer des Dr. Drexler Seniorenstiftes, seine Erkenntnisse zusammen.

Herr Thamm, ist Ihre Einrichtung vom steigenden Fachkräftemangel betroffen? Was sind hierzulande die größten Herausforderungen bei der Suche nach zuverlässigen Pflegefachkräften?

Es ist unterdessen wohl ein bekanntes Phänomen, dass wir in Deutschland trotz einer blühenden Volkswirtschaft und der Tatsache, dass wir die Wirtschaftskrise relativ gut überstanden haben, in den unterschiedlichsten Industrien über einen Fachkräftemangel klagen. Auch in der Betreuungs- und Pflegewirtschaft, einem gesellschaftlich und sozial essenziellen Bereich, sind gut qualifizierte einheimische Pflegefachkräfte mittlerweile Mangelware. Das liegt sicherlich auch daran, dass der Pflegeberuf trotz psychisch und physisch höchsten Ansprüchen nicht die Anerkennung erhält, die seine Bedeutung für unsere Gesellschaft rechtfertigen würde. Zur gleichen Zeit steigen aber auch die Ansprüche der Senioren und die gesetzlichen Rahmenbedingungen werden auch immer anspruchsvoller. Dies bedeutet, dass Pflegeeinrichtungen, insbesondere die in der Altenpflege, höhere Standards sicherstellen müssen, mehr Zeit pro Bewohner einkalkulieren, aber nicht zu einem Luxusgut verkommen sollen, das sich nur die oberen Zehntausend leisten können. Die fachkundige Versorgung und ausreichend Zeit für eine individuelle Betreuung müssen für Jeden in Deutschland zugänglich sein. Doch dafür braucht es auch das passende Umfeld, respektive müssen Anreize für alle Berufstätigen in diesem Bereich geschaffen werden. Nur so kann ausreichend Personal aus dem Inland unsere immer größer werdende Gruppe der Senioren versorgen.

Wie haben Sie vom Rekrutierungsprogramm Care With Care erfahren? Seit wann kooperieren Sie mit Care With Care?

Wir kamen eigentlich über Umwege auf Care With Care. Wie so viele andere Alten- und Pflegeeinrichtungen suchen wir bereits seit Jahren nach immer neuen Möglichkeiten, an motiviertes und gut ausgebildetes Pflegepersonal zu kommen. Da der Fachkräftemangel seit vielen Jahren eine der größten Herausforderungen für die Industrie darstellt, wurden erst einmal naheliegende Lösungen genutzt, wie die Rekrutierung von Pflegekräften in den neuen Bundesländern, dann in Osteuropa und zuletzt aufgrund der hohen Jugendarbeitslosigkeit auch in südeuropäischen Ländern. Doch entweder ist dort das Angebot bereits ausgeschöpft oder, wie im Fall von Südeuropa, konjunkturell abhängig. Wir erkannten daher, dass man neue und ungewohnte Wege gehen muss. Deshalb sahen wir uns erst einmal in anderen Dienstleistungsbranchen um. Fündig wurden wir in der Schifffahrt. Es ist gemeinhin bekannt, dass sowohl im privaten als auch im kommerziellen Bereich, sehr viele Philippiner auf Schiffen arbeiten und dort etliche Dienstleistungen abdecken. So kontaktierten wir die philippinische Firma Magsaysay, die für eben diese Schifffahrtindustrie Arbeitskräfte im eigenen Land rekrutiert. Diese verwies uns dann auf das Programm Care With Care, ein Joint Venture von Magsaysay und Care.com, das bis dato vor allem für Babysitter und Nannys bekannt war. Und ziemlich schnell starteten wir gemeinsam mit Steffen Zoller, dem Leiter von Care With Care, ein Projekt, um universitär ausgebildete Pflegefachkräfte aus den Philippinen für vakante Stellen in Deutschland zu gewinnen. Seit dem Frühjahr 2014 arbeiten wir nun erfolgreich zusammen und rekrutieren regelmäßig Pflegefachkräfte aus den Philippinen.

Können Sie freundlicherweise Ihre Erfahrungen bei der Einstellung ausländischer Pflegekräfte zusammenfassen? Was lief prima, was waren die größten Hürden?

Wir beschäftigen Pflegekräfte aus über 20 verschiedenen Nationen bei uns im Seniorenstift. Dabei kommen die Kollegen aus unseren Nachbarstaaten und auch von anderen Kontinenten. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass sowohl auf der Seite der Arbeitgeber als auch bei den Arbeitnehmern Hürden auftreten können: Die häufigsten waren falsches Erwartungsmanagement bei der Rekrutierung im Herkunftsland sowie gegenseitiges mangelndes Verständnis der unterschiedlichen Kulturen. Aber auch von Seiten der Bundes- und Landespolitik herrscht eine Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis: Obwohl der Fachkräftemangel in aller Munde ist, wurden in den letzten zwölf Monaten weitere Voraussetzungen und somit noch höhere Hürden für die Einreise und Anerkennung von ausländischen Fachkräften geschaffen. Im Gegensatz dazu, möchte ich aber das Augenmaß auf kommunaler Ebene loben, das es ermöglicht, die ausländischen Mitarbeiter willkommen zu heißen, geeignete Rahmenbedingungen für sie zu schaffen und deren Sprachkenntnisse zu vervollkommnen. In gemeinsamer Anstrengung mit uns halfen die lokalen Behörden, den Migranten die deutschen Arbeitsbedingungen näher zu bringen und sie schnell in unsere Kommune zu integrieren. Davon profitieren langfristig alle: die Mitarbeiter, unsere Heimbewohner und natürlich auch die Gesellschaft.

Woher kamen die ersten ausländischen Care With Care-Pflegekräfte, die Sie eingestellt haben? Welche Besonderheiten ergaben sich dadurch?

Über Care With Care haben wir examinierte Pflegefachkräfte aus den Philippinen rekrutiert. Da wir es mittlerweile gewöhnt sind, unterschiedliche Kulturen in das Team zu integrieren, aber auch Care With Care all die oben erwähnten Herausforderungen – sowohl in den Philippinen als auch in Deutschland – sukzessive meistert, ergaben sich für uns keinerlei Besonderheiten.

Was genau schätzen Sie an den von Ihnen eingestellten Pflegekräften? Sind sie ausreichend auf das Leben und Arbeiten in Deutschland vorbereitet?

Die Entscheidung, philippinische Pflegefachkräfte für uns zu gewinnen, wurde vor allem getroffen, da wir von der kulturell verankerten Fürsorge für die ältere Generation in die diesem Land überzeugt waren. Die Mitarbeiter, die wir seit gut einem halben Jahr bei uns beschäftigen, sind äußerst freundlich, lernwillig und eben fürsorglich. Sie sind in der Belegschaft und bei den Heimbewohnern gleichermaßen beliebt. Das Interesse an Deutschland und seiner Kultur motiviert die Pflegekräfte sogar, sich lokal immer mehr zu engagieren.

Was ist Ihrer Meinung nach das Wichtigste bei der Integration ausländischer Pfleger? Worauf sollten Arbeitgeber unbedingt achten?

Es kam immer wieder vor, dass falsches Erwartungsmanagement bei der Rekrutierung im Herkunftsland betrieben wurde. In den letzten drei Jahren haben wir Mitarbeiter aus folgenden Ländern – teilweise mit Unterstützung von Vermittlungsagenturen, teilweise direkt in unserem persönlichen Netzwerk und mit eigenen Ideen – rekrutiert: Spanien, Rumänien, Serbien, China, Bosnien sowie aus den Philippinen. Einige Pflegekräfte erwarten nur eine wirtschaftliche Verbesserung, andere unterschätzen die „deutsche Art“. Daher ist es sehr wichtig, den Aufbau des Verständnisses für kulturelle Unterschiede zu fördern. So wurden zum Beispiel in unserer Einrichtung der Umgang mit Kritik und Lob oder das Arbeiten im Team überraschend unterschiedlich aufgefasst.

Was sind Ihrer Meinung nach die Vorteile des Care With Care-Programms? Würden Sie es weiterempfehlen? Wenn ja, aus welchen Gründen?

Wir hatten die Gelegenheit, mit vielen unterschiedlichen Firmen zusammenzuarbeiten, um Mitarbeiter aus dem Ausland für deutsche Pflegeberufe zu rekrutieren. So unterschiedlich die Länder waren, so unterschiedlich sind auch die Erfahrungen mit den entsprechenden deutschen Firmen, die in diesen Ländern tätig sind. Bei Care With Care war das erste gute Gefühl schon einmal da, als es nicht hieß, dass wir Geld vorstrecken müssen, bevor die Suche nach geeigneten Kandidaten überhaupt beginnt. Alles lief eher nach dem Tenor „Wir zeigen Ihnen was wir können und dann wird ein Honorar fällig“ ab. Dies ist sicherlich kein Standard, aber vermittelte sofort einen seriösen ersten Eindruck. Doch noch wichtiger waren Dinge wie die Qualität der Vorauswahl der Kandidaten, die schnelle Reaktionszeit bei Rückfragen und das Zuteilen konkreter Ansprechpartner während des gesamten Prozesses. Dank dieser essenziellen, aber am Markt überhaupt nicht selbstverständlichen Elemente der Zusammenarbeit, gehört Care With Care zu unseren bevorzugten Kooperationspartnern.  


Steffen_Zoller_Portrait_smaller Laura Esnaola begleitete Care With Care von der Geburtsstunde an: Das internationale Programm zur Rekrutierung ausländischer Pflegefachkräfte bietet Arbeitgebern im Gesundheitssektor globale Personallösungen und adressiert andererseits medizinische Fachkräfte, die z.B. einen Job in Deutschland suchen. Mit Care With Care vermittelt Laura Esnaola vorrangig Pflegekräfte aus den Philippinen und China. Dabei berät sie Personalentscheider aus Kliniken und Senioreneinrichtungen insbesondere zur erfolgreichen Integration der Arbeitnehmer, damit diese den Unternehmen langfristig erhalten bleiben. Neben ihren Tätigkeiten als Geschäftsführerin der Care.com Europe GmbH und Leiterin von Care With Care engagiert sich Laura Esnaola weltweit in gemeinnützigen Projekten und tritt als Violinistin auf.      
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