Ausländische Pflegekräfte im neuen Job begleiten

Eine neue Sprache, eine fremde Kultur und Mentalität, ein anderes Arbeiten mit abweichendem Aufgaben- und Verantwortungsspektrum, ein ungewohntes Klima, eine neue Zeitzone und häufig kein direkter Kontakt zur eigenen Familie und Freunden: Für jede ausländische Pflegekraft bedeutet ein Job in einer deutschen Klinik oder Senioreneinrichtung eine Lebensumstellung, da viele neue Anforderungen auf einmal zu bewältigen sind. Ausländische Mitarbeiter sollten deshalb bereits während der Rekrutierungsphase umfassend zur hiesigen Arbeits- und Lebensweise geschult werden und die meisten professionellen Programme setzen hier auch an. Dennoch entscheiden trotz guter Vorbereitung häufig die ersten Wochen des Ankommens, ob der Mitarbeiter sich wohlfühlt und in Deutschland bleiben will. Deshalb gilt es, den Pflegekräften den Aufenthalt in den ersten Tagen und Wochen so sehr wie möglich zu erleichtern. Wir haben Ihnen sechs Tipps zusammengestellt, mit denen die Vorbereitung der eigenen Belegschaft sowie die Integration neuer Kollegen besser gelingen.

1. Stammpersonal sensibilisieren

Ausländische Mitarbeiter können Ablehnung seitens der alteingesessenen Belegschaft erfahren – vor allem wenn das Team unvorbereitet ist. So können schnell Berührungsängste entstehen: Einige Mitarbeiter befürchten möglicherweise eine Verschlechterung der eigenen Arbeitsbedingungen, andere haben Bedenken bezüglich der Kommunikation oder dass die Arbeitsqualität leidet. Auch die Angst, schlechter bezahlt zu sein, kann eine Rolle spielen. Deshalb ist es ratsam, vorab alle involvierten Mitarbeiter über den Kollegenzuwachs aufzuklären. Arbeitgeber sollten der Belegschaft die Hintergründe der Einstellung ausländischer Mitarbeiter erläutern, auf die Vergleichbarkeit von Ausbildung und Berufserfahrung sowie das gleiche Tarifgefüge hinweisen. Hilfreich ist es auch, die Mitarbeiter über das bevorstehende Integrationsprozedere zu informieren oder diese sogar am Prozess zu beteiligen. Erfahrene Mitarbeiter können z.B. als Praxisanleiter fungieren.

2. Gemeinsame Unterbringung erleichtert Start

Es empfiehlt sich, mindestens zwei Pflegekräfte gemeinsamer Herkunft einzustellen und diese anfänglich auch zusammen unterzubringen. Durch die gemeinsame Muttersprache und den regelmäßigen Austausch lassen sich viele Hürden leichter nehmen – dies gibt Sicherheit und Rückhalt. Die Unterbringung sollte möglichst in der Nähe des Arbeitsplatzes stattfinden, am besten fußläufig. Viele Einrichtungen verfügen über Personalwohnheime, die eine ideale Wohnmöglichkeit für die Eingewöhnungsphase bieten. Einige Arbeitgeber mieten auch Gemeinschaftswohnungen für ihre ausländischen Mitarbeiter an. Diese sollten möglichst möbliert und mit Kochutensilien ausgestattet sein. Bestenfalls steht sogar eine Waschmaschine zur Verfügung. Eine der wichtigsten Voraussetzungen, um ein Wohlfühlen der neuen Mitarbeiter zu garantieren, ist jedoch ein Internetzugang. Dieser sollte vom ersten Tag an verfügbar sein, denn die meisten Zuwanderer brauchen den Austausch mit der Familie in der Heimat. Auf diese Weise können sie die Eindrücke der ersten Wochen besser verarbeiten.

3. Genügend Zeit zum Einfinden geben

Zeit ist ein entscheidender Faktor in den ersten Wochen der Eingewöhnung. Arbeitgeber sollten deshalb anfänglich den zeitlichen Druck minimieren und den frischen Mitarbeitern Pausen zum Verarbeiten der neuen Eindrücke einräumen. Sie benötigen diese zur Orientierung, da sich durch die vielen Umstellungen in ihrem Leben auch Verzögerungen in der Aufnahmefähigkeit ergeben können, insbesondere wenn sie erstmalig im Ausland tätig sind. Im Idealfall plant der Arbeitgeber die neuen Fachkräfte für die ersten zwei bis drei Monate zusätzlich ein, damit sich diese in Ruhe einarbeiten können. Die Adaptionszeit kann bei raschem Einfinden in der Regel deutlich verkürzt werden.

4. Fahrplan für die ersten drei Tage

Im Folgenden finden Sie Empfehlungen für die ersten Tage der Eingewöhnung ausländischer Fachkräfte:

Tag 1: In Ruhe ankommen lassen

  • Persönliches Abholen vom Flughafen/Bahnhof
  • Willkommensessen
  • Einführung in Unterkunft
  • Aushändigen von Informationsmaterialen

Tag 2: Tour durch Stadt und Arbeitsstätte

  • Vorstellen der Umgebung, inkl. Einkaufsmöglichkeiten, Nahverkehr, Bankautomat, Apotheke
  • Einführung Arbeitsstätte: Besichtigung des Geländes, der Stationen, Kantine
  • Aushändigen von Schlüssel und Arbeitskleidung
  • Unterstützung bei Behördengängen

Tag 3: Einführung ins Team und Station

  • Willkommensrunde/Empfang im Team
  • Besichtigung der kompletten Station, inkl. Materiallager, Küche
  • Organisatorisches: Einarbeitungsplan, Arbeitsabläufe, Arbeitgeberregeln
  • Vorstellen aller wichtigen Ansprechpartner im Haus

Tag 4: Geben Sie diesen frei für Behördengänge, zum häuslichen Einrichten, Erkunden der Umgebung und Reflektieren.

Ab Tag 5: Praxisanleitung, Einarbeitung, inkl. Dokumentationspflichten

5. Rückhalt durch Führungskräfte und Paten

In den ersten beiden Monaten sollte es wöchentlich einen festen Gesprächstermin zwischen der neuen Pflegekraft und der Stationsleitung geben, um die Fortschritte der Einarbeitung zu diskutieren und herauszufinden, ob und wo es noch hakt. Treffen unterschiedliche Kulturen aufeinander, wird es nie reibungslos zugehen. Es ist deshalb auch sinnvoll festzulegen, welche Besprechungswege die Pflegekraft beim Auftreten von Uneinigkeiten gehen soll. Grundsätzlich sollte ein neuer Mitarbeiter immer die Möglichkeit eines vertraulichen Gespräches mit den Vorgesetzten haben. Bei allen Fragen zur Arbeit und den Abläufen in der Einrichtung ist ein Partner, welcher der ausländischen Pflegekraft zur Verfügung gestellt wird, hilfreich. Ein Kollege, der ähnliche Aufgaben erfüllt, kann z.B. als Pate fungieren und der Neuankömmling hat somit immer einen „alteingesessenen“ Ansprechpartner zur Verfügung, der sich bestens auskennt. Im Idealfall gibt es im Hause bereits ausländische Mitarbeiter, die bei ihrer Ankunft ähnlichen Herausforderungen gegenüber standen und Tipps geben können – eventuell gibt es sogar einen Paten derselben Nation oder Muttersprache.

6. Zugehörigkeitsgefühl fördern

Neben der persönlichen Vorstellung der neuen Arbeitskraft im gesamten Team ist eine sofortige Einbindung in Veranstaltungen der Klinik bzw. Senioreneinrichtung förderlich, um das Zugehörigkeitsgefühl zu stärken. Vorgesetzte sollten Teams mit neuen Mitarbeitern dazu motivieren, diese mit zu Firmenveranstaltungen zu nehmen oder nach der Arbeit gemeinsam etwas zu unternehmen. Für ausländische Arbeitskräfte ist es zudem sehr hilfreich, von Anfang an interne Fortbildungen zu absolvieren und auf diese Weise etwas in der Gruppe zu erlernen. Bestenfalls unterstützen Arbeitgeber ausländische Fachkräfte mit Lernmaterialien zum Verbessern der deutschen Sprache, organisieren klinikübergreifend kulturelle Treffen zwischen ausländischen Pflegekräften oder stellen Kontakt zu Organisationen her, die bei der Integration behilflich sein können, wie Kirchengemeinden und lokale (Sport-)Vereine.


Steffen_Zoller_Portrait_smaller Laura Esnaola begleitete Care With Care von der Geburtsstunde an: Das internationale Programm zur Rekrutierung ausländischer Pflegefachkräfte bietet Arbeitgebern im Gesundheitssektor globale Personallösungen und adressiert andererseits medizinische Fachkräfte, die z.B. einen Job in Deutschland suchen. Mit Care With Care vermittelt Laura Esnaola vorrangig Pflegekräfte aus den Philippinen und China. Dabei berät sie Personalentscheider aus Kliniken und Senioreneinrichtungen insbesondere zur erfolgreichen Integration der Arbeitnehmer, damit diese den Unternehmen langfristig erhalten bleiben. Neben ihren Tätigkeiten als Geschäftsführerin der Care.com Europe GmbH und Leiterin von Care With Care engagiert sich Laura Esnaola weltweit in gemeinnützigen Projekten und tritt als Violinistin auf.      
Comment on this article DE
Please provide a name. DE
Please provide an email address. DE
Please enter a comment. DE
Wir sind für Sie da und helfen Ihnen gerne weiter! Kontaktieren Sie uns jetzt!